Die Tücken des Whanganui Rivers

Tag 4 bis Outemaire.
Km 1347 Distanz: 38.48 Km gepaddelt, Dauer: 6 Stunden 3 Minuten.

“Ab Pipiriki wird es einfacher”, haben die von der Kanuvermietung gesagt.
Nicht alle TA Hiker bleiben nach Pipiriki auf dem Fluss. Denn ab hier könnte man auch wieder zu Fuss oder mit dem Fahrrad weiter bis Whanganui.
Doch unsere Gruppe hatte sich für die 5 tägige Kanufahrt entschieden.

Der River oder besser gesagt das Tal öffnet sich nach Pipiriki, man ist weniger in einem „grünen Tunnel“. Wir sind auch nicht mehr im Nationalpark und darum sieht man vermehrt Häuser und Landwirtschaft entlang des Rivers.

So ruhig kann der River sein. Dies soll gemäss der Kanuvermietung zu 90% der Fall sein. Und das mag stimmen…

Nach einer guten Stunde paddeln machten wir auf einer Flussinsel einen kurzen Rast

Es war sonnig und heiss. Einige kühlten sich kurz mit einem Bad im Fluss ab.

Dann ging es weiter mit viel paddeln und deutlich weniger Stromschnellen als in den vergangenen drei Tagen.

Aber eine dieser Stromschnellen hatte es ganz schön in sich…

Wir steuerten wie immer auf das V der Stromschnelle zu. Unser Kanu war perfekt senkrecht dazu ausgerichtet, wir paddelten vorwärts um die Ausrichtung nicht zu verlieren und kamen wie gewünscht in der Spitze des V an.
Die Wellen links und rechts begannen sich dann aufzutürmen und so kam es, dass wir mit der Spitze unseres Kanus direkt in eine Welle eintauchten und wir dadurch ziemlich viel Wasser ins Kanu bekamen. Die zweite Welle war zwar etwas kleiner, doch durch das zusätzliche Gewicht des Wassers im Kanu tauchte die Spitze erneut in die Welle und noch mehr Wasser landete im Boot. Auch die dritte und vierte Welle beförderte Wasser hinein und so kam es, dass unser Kanu ab der fünften Welle circa 5 – 10 cm unter Wasser weiter trieb. Wir sassen immer noch im Boot und ich betone, wir sind nicht gekentert!
Aurél hat unsere Tauchfahrt aufgezeichnet. Hier das Video

Wir purzelten dann aus dem Kanu raus und sind Richtung Ufer geschwommen.
Meine Wasserflasche war weg gespült worden. Sonst fehlte nichts. Beide Paddel waren noch da und die Fässer waren am Kanu festgebunden.
Es dauerte 30 Min. bis wir das Wasser aus dem Boot geschöpft hatten und die Fässer wieder richtig platziert waren.

„Ab Pipiriki wird es einfacher“, haben sie gesagt! Vielleicht schon, doch das Abenteuer ist erst beim erreichen des Ziels zu Ende…

Ansonsten ist heute nichts weiteres spektakuläres passiert. Zum Schluss mussten wir noch gegen den Wind paddeln, was uns zusätzlich Kraft kostete.

Vielleicht noch dies: unser Anlegeplatz zum heutigen Campground “Outemaire” war nicht sehr einfach. Erstens haben wir ihn fast nicht gefunden. Zweitens war es nicht einfach an Land zu kommen, weil das Ufer praktisch nur aus Matsch bestand und unterhalb der Wasseroberfläche sehr steil abfiel, dass wir nicht neben dem Kanu im Wasser stehen konnten, einfach viel zu tief. Und drittens war die Böschung hoch zum Campingplatz sehr sehr steil und sandig, so dass wir mit unseren Fässern fast nicht hoch klettern konnten.

Der Campingplatz selber lag an einer Strasse. Fast jedes Auto grüsste uns bei der Durchfahrt mit Hupen. In der Nacht blieb es glücklicherweise ruhig.

Das Wasser roch nach Schwefel. Der Geruch verschwand selbst dann nicht, wenn ich meinen Filter mit zusätzlichem Kohlefilter einsetzte. Also mischte ich meinem Trinkwasser ein wenig Elektrolyte Pulver mit Orangengeschmack bei. Das half. Für mein Abendessen konnte ich es sowieso ohne weiteres einsetzen, da war der Geschmack durch den Thunfisch eh überdeckt

😴😴😴

Tag 5 bis Whanganui Holiday Park.
Km 1392 Distanz: 47.18 Km gepaddelt, Dauer: 7 Stunden 20 Minuten.

Fünfter und letzter Tag auf dem Whanganui River. Auch der Streckenmässig längste Teil.
Und dennoch mussten wir uns nicht beeilen, weil es für den letzten Teil vor Whanganui die Gezeiten zu beachten gilt. Das heisst, wir mussten mit abnehmender Flut weiterfahren. Und Flut war erst um 14:30 Uhr.

Durch unsere gestrige Tauchfahrt durfte ich heute Morgen kalte und immer noch sehr feuchte bis nasse Hosen und Schuhe anziehen. Eine wahre Freude. 🥶

Da es nicht eilte sind wir erst kurz vor 9:00 Uhr wieder gestartet. Der Fluss war ruhig, kein Gegenwind und wir kamen gut voran.

Die wenigen Stromschnellen meisterten wir heute ohne jegliche Probleme. Denn „Ab Pipiriki wird es einfacher“, haben sie gesagt.

Doch nicht allen aus unserer Gruppe lief es so gut wie uns…

Boden und Eteri sie mit ihrem Kanu an einem Baumstamm hängen geblieben. Durch die Wucht des Wassers ist das Kanu gegen den Baumstamm gedrückt und dann gefaltet worden.
Boden musste die am Boot festgebundenen Fässer los schneiden.

Hier im Video sieht man die enorme Kraft des Wassers besser

Sowohl Eteri als auch Boden sind wohlauf. Sie verloren lediglich ein paar Gegenstände wie ihre Sonnenbrillen, ein Paar Socken und eine Sandale. Bodens Mütze wurde ebenfalls weggespült, ist dann aber später von einem anderen Kanuteam gefunden und an Boden zurück gegeben worden.

„Ab Pipiriki wird es einfacher“, haben sie gesagt!
Zum Glück ist niemand verletzt worden oder noch schlimmer. Denn Eteri erzählte, dass sie nach dem Kentern unter Wasser gedrückt wurde und beim Versuch an die Wasseroberfläche zu gelangen sei sie von einem Seil festgehalten worden, das sich um ihr Bein gewickelt hatte. Sie musste sich erst davon befreien um wieder auftauchen zu können.

Und wie ging es weiter? Zum Glück waren zwei Kanus mit drei Sitzplätzen ausgestattet. So konnten die beiden verunglückten mitgenommen werden. Ihre Fässer wurden auf weitere Kanus verteilt. Auch Aurél und ich haben ein zusätzliches Fass mit auf unserem Boot transportiert.

„Ab Pipiriki wird es einfacher“, haben sie gesagt!
Tja – wir wurden eines Besseren belehren würde ich sagen.

Nach 3 Stunden und 41 Minuten, oder 26.18 Kilometer machten wir in „Hiponga Park“ einen Zwischenhalt. Hier mussten wir warten, bis die Flut ihren Höchststand erreicht hatte und dann noch eine Stunde länger, um unsere Kanufahrt fortzusetzen zu können.

Endlich 15:00 Uhr. Wir konnten den letzten Abschnitt auf dem River starten. Noch 21 Kilometer bis zum Whanganui Holiday Park.

Ich muss sagen, ich habe nicht viel davon gemerkt, dass uns die Flut hinaus gezogen hätte. Wir paddelten wie verrückt und mussten erneut gegen den Wind kämpfen. Wenn nur dieser Holiday Park bald käme…

Eine Fussgänger Brücke über den Fluss. Da wussten wir, es sind nur noch 4.5 Kilometer

Und dann endlich sahen wir dieses Schild. Wir hatten es geschafft!

Insgesamt 151 Km gepaddelt, Dauer Total: 26 Stunden 56 Minuten.
Und jetzt war ich nur noch froh, nicht mehr paddeln zu müssen…
… Es war eine interessante Erfahrung, ein Abenteuer und eine coole Abwechslung zum wandern. Sowas hat kein anderer Long Distance Hike zu bieten.

Wir leerten unsere Fässer und trugen die Kanus an den vereinbarten Platz.

Dann checkten wir im Holiday Park ein. Nur gerade zwei Hiker buchten einen Zeltplatz und übernachteten im Zelt. Alle anderen buchten Kabinen mit Etagenbetten, die so gemeinsam gemietet nur wenig teurer waren als ein Zeltplatz mit TA Rabatt.
Ich selber buchte mir eine Kabine nur für mich. Meine Sachen waren immer noch feucht von unserer U-Boot Fahrt und ich brauchte Platz um alles ausbreiten und trocknen lassen zu können.
Und nach sieben Tagen ununterbrochener Gemeinschaft mit 21 anderen Hikern wollte ich auch mal wieder die Möglichkeit haben mich zurück zu ziehen und meine Ruhe zu haben.

Für das Abendessen bin ich dann schon wieder zurück zu den Anderen