Es ist nun schon zwei Jahre her seit ich auf dem PCT unterwegs war….. Was! Schon so lange?
Ja – kaum zu glauben!
Noch heute denke ich fast jeden Tag daran. Ich vermisse den Trail. Ich vermisse die Hiker Familie, die Natur, Draussen im Zelt schlafen, das Abenteuer, die Unbeschwertheit und Freiheit.
Die „Post-Hike-Depression“ hatte mich voll erwischt.
Ich habe darüber schon vor dem PCT gelesen und ich dachte, ich sei darauf vorbereitet. Aber dann auf den letzten Meilen vor Kanada ging dann plötzlich alles viel zu schnell. Eine Sektion des PCT wurde wegen eines Waldbrandes gesperrt. Und es bestand die Gefahr, dass auch die letzte Etappe hin zum „Northern Monument“ an der Kanadischen Grenze geschlossen werden muss. Dieses Ziel wollte ich unbedingt erreichen. Alles andere wurde Nebensache. Aus den geplanten letzten zwei Wochen entspanntes Wandern auf dem PCT wurde ein Wettlauf gegen die Zeit. Für Alles, was ich mir für die letzten Tage auf dem PCT vorgenommen habe blieb einfach keine Zeit. Das Gefühl es bald geschafft zu haben blieb aus, kein fröhliches Feiern mit den anderen Hiker, kein langsames und bewusstes Abschied nehmen.
Die Post-Hiker Depression ist jedoch nicht so wie Du denkst. Es ist keine Depression im engeren Sinn. Ich würde sagen, es ist mehr wie ein Liebeskummer. Oder wie eine Trauer.
Die Einfachheit auf dem Trail, immer dieses Ziel vor den Augen, das Abenteuer, diese tägliche extremen körperlichen Leistungen und die Community fallen von einem Tag auf den Anderen einfach weg.
Am Ende des Trail war ich ein „echter“ Thru-Hiker und als solcher von den anderen Hikern voll akzeptiert. Ich war Disco Daddy. Ich hatte dieses Extrem-Erlebnis erfolgreich abgeschlossen, mein Ziel auf das ich mich so lange vorbereitet habe erreicht. Und nun… ?
Ich musste Disco Daddy und den Trail zurücklassen. Dabei war ich doch gerne in der Rolle des Disco Daddy‘s. Ich konnte mich voll und ganz als Disco Daddy identifizieren. Diese „Beziehung“ zwischen mir (Disco Daddy) und dem PCT, dieser Verlust oder diese Trennung, das ist dieser Liebeskummer den ich meine.
Alleine diesen Zusammenhang zu begreifen hat bei mir mehrere Monate gebraucht.
Die Zeit heilt alle Wunden sagt man doch. Nun ja, das mag schon stimmen. Es gibt aber etwas, das zumindest mir hilft, mit dieser Post-Hiker-Depression abzuschliessen….
…. Ein neues Abenteuer!
Wie das Leben so spielt, ergibt sich eine weitere Gelegenheit einer längeren Auszeit von der Arbeit. Sehr gerne würde ich dem Beispiel von „Chill“ folgen, ebenfalls ein PCT Class of 2023 Hiker mit dem ich eine Weile unterwegs war und ebenfalls den CDT (Central Divide Trail) wandern, auf dem er seit ein paar Wochen unterwegs ist. Leider scheint die Einreise in die USA trotz vorhandenem Visum momentan manchmal etwas schwieriger und ungewisser zu sein.
Zu meiner Gelegenheit würde der CDT sowieso nicht passen. Ich kann mich ab Mitte Herbst frei machen.
Wandern im Winter? Ja schon – aber halt auf der anderen Seite der Erdkugel: Diesmal soll es nach Neuseeland gehen. Te Araroa heisst der Trail, den ich plane komplett durch zu hiken oder wie die Neuseeländer (Kiwis) sagen würden zu trampen.
Dies wird bereits das dritte mal sein, dass ich nach Neuseeland reise, aber noch nie so lange wie dieses mal und noch nie zum Durchwandern der Nord- und Südinsel.
Die Vorbereitungen haben bereits begonnen und der Flug hin und zurück ist bereits gebucht!