Tag 62

PCT Meile 1444.1, Höhe 5263 feet, 24.0 Meilen oder  38.62 Km gelaufen. 

Ziel heute: so nahe wie möglich an Meile 1447 heran kommen, um dann am nächsten Tag die dort beginnende 10 Meilen lange Schneedecke am Vormittag zu durchwandern.

Heute vor 2 Monaten bin ich in Campo an der US Grenze zu Mexiko gestartet.
Irgendwann um die Mittagszeit, werden es dann 800 Meilen sein, die ich gewandert bin. Aber 100 Meilen Marker sind gar nicht mehr so wichtig. Der nächste wichtige Meilenstein – 😉😆 wie passend – wird sein, wenn ich die 1000 Meilen geschafft habe. Das wird dann kurz nach den Black Marble Mountains sein, immer noch Nord Kalifornien.

Ich wurde gefragt, ob ich noch nie das Gefühl hatte, dass es nun reicht mit dieser Marschiererei? 

Doch! Jeden Abend habe ich dieses Gefühl. Und es ist ein sehr schönes Gefühl. Verbunden mit Stolz, eine lange Distanz oder viele Höhenmeter geschafft zu haben. 

Ich hatte aber noch nie das Gefühl, meinen Thru-hike abbrechen zu wollen.
Nein, ich habe immer noch mein Ziel vor Augen, die ganze Strecke nach Kanada zu laufen. Trotz aller Widrigkeiten, trotz aller Schwierigkeiten.

Wie soll ich es beschreiben? Es ist einfach befriedigend lange Distanzen zu laufen. Ich habe den ganzen Tag Zeit über “Dinge” Nachzudenken. Sehr oft den PCT selber betreffend, zum Beispiel planerische Dinge. Am Abend im Camp, wenn ich dann im Zelt in meinen Quilt schlüpfe, ist bereits alles ‘gedacht’. Ich schlafe sofort ein. Sicher auch wegen der körperlichen Müdigkeit aber halt auch, weil ich nicht mehr über “Dinge” nachdenken muss.

Was gefällt mir am meisten?

Darüber habe ich heute nachgedacht. Und das Ergebnis ist eine Vielzahl von Dingen.

Dazu gehört sicher die Hiker Gemeinschaft, mit Gleichgesinnten unterwegs sein, gemeinsam Spaß zu haben und Abenteuer erleben, neues entdecken, am Abend im Camp darüber sprechen können und verstanden zu werden ohne lange Erklärungen machen zu müssen. 

Es ist aber auch das Gefühl der Freiheit. “Everybody hikes his own hike!” Ich kann zum Beispiel selber bestimmen, wieviele Meilen, in welchem Tempo ich heute gehen will; wann ich wo mein Zelt aufbaue.

Ja klar, es gibt schon Regeln und Grenzen, die ich einhalten muss. Organisatorische der PCTA, die amerikanischen Gesetze oder auch meine körperlichen Grenzen und Bedürfnisse. Absolute Freiheit gibt es wohl nicht. Hier auf dem Trail habe ich jedoch das Gefühl, mehr Freiheit zu haben – oder viel weniger Verpflichtungen nachkommen zu müssen.

Und dann sind da diese gewaltige „Bilder“ oder Eindrücke der Natur:

Mount Shasta

Ab und zu entdeckt man in der „Wildnis“ ein Zeichen der Zivilisation

Zwar keine Sequoia Gigantenum, aber trotzdem enorm hohe Tannen. (Finde den Hiker im Bild zum Grössenvergleich)

Wir scheinen dem Schnee wieder näher zu kommen. Unser heutiges Camp wird auf 1600 Metern (5263 feet) liegen. In Nord Kalifornien liegt dann Schnee ab 1800 Meter (6000 Feet) auf unserem Trail.

Ja das „Baumstamm Hüpfen“, wie ich diese – manchmal sehr mühsamen Kletterei – mittlerweile nenne, kommt wieder öfter vor. Hier ein typisches Beispiel. Wie soll man dies überwinden?

Lösung: links vom Trail den Hang hinunter, so dass man nur über einen Baumstamm steigen muss und dann nach dem Hindernis wieder den Hang hinauf zurück auf den Trail. Ganz einfach 😉

Der Csmpspot

Und das war mein heutiger Ausblick aus meinem Zelt

Ein paar Minuten später

Ich habe es leider nicht geschafft, in der Nacht ein Bild vom Sternenhimmel zu machen. Dazu fehlt mir die entsprechende Fotoausrüstung.
Es war einfach so was von schön. Kein Mondlicht, kein künstliches Licht. Einfach schwarz mit hell leuchtenden Sternen. Diese wirkten auf mich viel grösser zu sein, als sonst.